Pakistanisches Zehn-Milliarden-Bäume-Projekt : Wie eine wunderbare Initiative von der Politik ruiniert wurde

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image credit:Govt of Paakistan

By Dr.Majid Khan

(Dieser Artikel wurde auf Englisch verfasst und von Sohail Loun ins Deutsche übersetzt)

Das Projekt “Zehn Milliarden Bäume Tsunami” stellt ein erhebliches Engagement Pakistans dar, die durch die weit verbreitete Abholzung verursachte Umweltzerstörung wirksam zu bekämpfen. Inspiriert von der globalen “Billion Tree Campaign”, bestand das Hauptziel des Projekts darin, in ganz Pakistan zehn Milliarden neue Bäume zu pflanzen, abgeholzte Wälder wiederherzustellen, den Klimawandel zu bekämpfen und die Artenvielfalt zu unterstützen. Trotz seiner hehren Absichten und Auszeichnungen  zu Beginn des Projekts, steht es aufgrund Pakistans komplizierter politischer Situation vor enormen Herausforderungen.

Die Initiative “10 Billion Tree Tsunami“ wurde als Erweiterung des Milliarden Tsunami-Projekts in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa eingeführt, bei der bis Anfang 2018 erfolgreich eine Milliarde Bäume gepflanzt wurden. Ermutigt durch diesen Erfolg und die internationale Anerkennung, hat die Regierung dieses Projekt im Jahr 2018, mit der Zielsetzung bis 2023 zehn Milliarden Bäume zu pflanzen, auf nationaler Ebene übernommen.

Dieses Projekt war nicht nur eine Umweltschutzmaßnahme, sondern war auch in Pakistans umfassendere Verpflichtungen zu internationalen Umweltabkommen und Zielen für nachhaltige Entwicklung integriert. Es befasste sich mit kritischen Themen wie Holzschmuggel, Eingriffen in die Landwirtschaft und nicht nachhaltiger Abholzung mit dem Ziel, diese degradierten und zerstörten Landschaften wiederzubeleben.

image credit:Govt of Pakistan

Das Projekt wurde mit mehreren Zielen konzipiert, die sich auf die Erneuerung der Umwelt und die wirtschaftliche Förderung durch nachhaltige Praktiken konzentrieren. Ein vorrangiges Umweltziel bestand darin, den CO2-Fußabdruck Pakistans durch eine Vergrößerung der Waldfläche deutlich zu reduzieren, was auch zur Bekämpfung der Landdegradation und Wüstenbildung beitragen würde. Im wirtschaftlichen Bereich zielt die Initiative darauf ab, die Entwicklung in ländlichen Gebieten durch die Schaffung zahlreicher Beschäftigungsmöglichkeiten in Baumschulen, Baumpflanzungen und Waldpflege zu fördern. Es wurde erwartet, dass die Luftqualität verbessert, die Energiekosten gesenkt und die lokale Artenvielfalt gestärkt werden, wodurch das ökologische Gleichgewicht gefördert und wichtige natürliche Lebensräume für die Erhaltung der vielfältigen Ökosysteme Pakistans geschützt werden.

Seit seiner Gründung hat das Projekt rasante Fortschritte gemacht und Millionen von Bäume in verschiedenen Regionen Pakistans gepflanzt. Es mobilisierte wirksam die lokalen Gemeinschaften, steigerte das Umweltbewusstsein und förderte nachhaltige Landbewirtschaftungspraktiken. Die Initiative erhielt internationale Anerkennung von Umweltverbänden und Regierungen, die sie als wichtiges Modell für groß angelegten Umweltschutz feierten. Diese Anerkennung verdeutlichte das Potenzial des Projekts und stimmte optimistisch für seinen weiteren Erfolg.

Das politische Umfeld in Pakistan, das von Volatilität und häufigen Machtwechseln geprägt ist, stellte das Projekt vor große Herausforderungen. Obwohl das Projekt mit starker Unterstützung der Regierung ins Leben gerufen wurde, geriet es schnell in den Mittelpunkt der Kontroversen. Oppositionsparteien kritisierten die Umsetzung, die Transparenz und die echte Absicht hinter seinen hochtrabenden Behauptungen. Dieser politische Konflikt wurde durch häufige Veränderungen in der regionalen und lokalen Verwaltung verschärft, die die Kontinuität der Projektumsetzung beeinträchtigten.

Das Projekt stand vor zahlreichen Herausforderungen, von politischem Widerstand bis hin zu logistischen und finanziellen Zwängen. Politisch wurde die Initiative häufig eher als Imagebildungsinstrument denn als echte Umweltbemühungen wahrgenommen, was zu Vorwürfen der Korruption und Misswirtschaft führte. Logistisch war der Versuch, eine so große Anzahl von Bäumen in den verschiedenen geografischen und klimatischen Regionen Pakistans zu pflanzen, mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Auch die finanzielle Nachhaltigkeit stellte ein Problem dar, da angesichts jahrelanger schwankender wirtschaftlicher Bedingungen und der Abhängigkeit von internationaler Hilfe eine kontinuierliche Finanzierung erforderlich war.

Die Reaktionen auf den 10-Milliarden-Bäume-Tsunami waren in allen Bereichen der Gesellschaft unterschiedlich. Obwohl Umweltschützer und lokale Gemeinden die Initiative im Allgemeinen unterstützten, stieß sie bei gegnerischen politischen Gruppen auf Skepsis und Kritik. Die Rolle der Medien spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der öffentlichen Wahrnehmung, indem sie sowohl Bestätigung, als auch Kritik boten, ihre Erfolge, als auch ihre Mängel hervorhoben.

Politische Einflussnahme behinderte das Projekt erheblich, da wiederholte politische Änderungen, die Umverteilung von Ressourcen und bürokratische Hindernisse den Fortschritt behinderten. Nachdem Premierminister Imran Khan durch ein Misstrauensvotum im Parlament seines Amtes enthoben wurde, erlitt Pakistans massive Baumpflanzinitiative einen herben Rückschlag. Historisch gesehen war der Klimawandel kein starker Einflussbereich des derzeitigen Premierministers Shahbaz Sharif. Unterdessen fordern Klimaexperten die Regierung von Shahbaz Sharif auf, Khans wegweisende Initiative zur Wiederherstellung der Wälder fortzusetzen.

Fortsetzung von Khans bahnbrechender Initiative zur Wiederaufforstung.

Unstimmigkeiten in den politischen und staatlichen Prioritäten der Projektziele störten die Umsetzung und verringerten ihre Wirksamkeit. Die Intervention unterstrich die tiefgreifenden Auswirkungen politischer Instabilität auf Umweltinitiativen und betonte die Notwendigkeit starker Governance-Strukturen, um solche Projekte vor politischer Behinderung zu schützen.

Die unvollständige Umsetzung des Projekts hatte weitreichende ökologische, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. Aus ökologischer Sicht hat das Versäumnis, die Baumpflanzziele zu erreichen, die potenziellen Vorteile der Kohlenstoffbindung und der Artenvielfalt eingeschränkt. In wirtschaftlicher Hinsicht blieb das Projekt hinter seinen Zielen zur Schaffung von Arbeitsplätzen zurück, was die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gebieten behinderte. Auf sozialer Ebene haben Projektkämpfe und vermeintliches Missmanagement das Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben und die Begeisterung für staatlich geführte Initiativen gemindert, die für den Erfolg groß angelegter Naturschutzbemühungen von entscheidender Bedeutung sind.

This article is produced to you by London Post, in collaboration with INPS Japan and Soka Gakkai International, in consultative status with UN ECOSOC.

(Sohail Ahmad Loun ist eine multidimensionale Person. Er ist Journalist, Filmemacher, Ingenieur, Dichter und Kolumnist. Er ist außerdem Autor zweier Bücher.)